Saudi-Arabien hat am Freitag seine strategisch wichtige Ost-West-Pipeline vorübergehend stillgelegt, nachdem Drohnenangriffe aus dem Irak Schäden und Verletzte verursacht hatten. Parallel dazu haben die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen die Insel Perim (Mayyun) im Bab el-Mandeb erobert und damit die Kontrolle über diese Schlüsselmeerenge am südlichen Eingang des Roten Meeres faktisch vervollständigt.
Die saudische Regierung bezeichnete die Schließung als „Vorsichtsmaßnahme", während das Außenministerium mehrere Drohnen aus dem Irak für den Angriff verantwortlich machte und zunächst auf eine direkte Vergeltung verzichtete, um der irakischen Regierung Raum für eigene Maßnahmen zu geben. Der irakische Premierminister Ali al-Zaidi ordnete eine Untersuchung an und entließ den Kommandeur des Operationskommandos der Provinz Maysan, nachdem festgestellt worden war, dass von dort Angriffe auf Saudi-Arabien gestartet worden waren.
Die Huthi haben in den Tagen zuvor zudem die Küstenstadt Mocha, die Inseln Hanish und Zuqar sowie die Küstenstadt Dhubab eingenommen und damit ihre größten Gebietsgewinne seit Jahren entlang der Rotmeer-Küste erzielt. Medien und Analysten sehen darin eine neue Front im „Iran-Krieg", bei der Teheran über seine Verbündeten Druck auf die globalen Öl- und Gaspreise ausüben könnte, um die USA zu beeinflussen.
Geopolitische und energiewirtschaftliche Bedeutung
Die Ost-West-Pipeline (auch als „Petroline" bekannt) verbindet das Ölfeld Abqaiq im Osten Saudi-Arabiens mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer und ermöglicht es dem Königreich, Öl zu exportieren, ohne die Straße von Hormus passieren zu müssen. Nach der Störung der Hormus-Passage im März 2026 hatte Saudi-Arabien seine Exporte über diese Route auf mehr als 5 Millionen Barrel pro Tag mehr als verdoppelt.
Die vorübergehende Schließung dieser Pipeline trifft Saudi-Arabien also an einer besonders sensiblen Stelle: Mit Hormus bereits blockiert und nun auch die alternative Route gefährdet, droht eine weitere Verknappung des globalen Ölangebots. Analysten gehen davon aus, dass Iran gezielt darauf hinarbeitet, die Ölpreise über 100 USD pro Barrel zu treiben, um Washington unter Druck zu setzen.
Der Bab el-Mandeb ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt: Hier passieren täglich Millionen Barrel Öl sowie ein erheblicher Teil des globalen Container- und Massengutverkehrs zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten. Die Eroberung von Perim, das die Meerenge in zwei Fahrrinnen teilt, gibt den Huthi die Möglichkeit, den Schiffsverkehr noch effektiver zu kontrollieren, zu behindern oder gezielt anzugreifen.
Bereits seit Monaten hatten die Huthi Schiffe im Roten Meer attackiert, was zu Umleitungen um Afrika, höheren Versicherungskosten und Lieferverzögerungen führte. Mit der vollständigen Kontrolle über Bab el-Mandeb könnte diese Destabilisierung weiter eskalieren – mit direkten Folgen für globale Lieferketten und Inflationsdruck.
Bedeutung für Israel
Israel ist zwar kein direkter Anrainer des Bab el-Mandeb, aber stark von der Stabilität des Roten Meeres abhängig: Der Hafen von Eilat ist Israels einziger Zugang zum Indischen Ozean und damit ein wichtiger Knotenpunkt für Handel mit Asien, Energieimporte und militärische Logistik. Störungen im Roten Meer treffen Israel daher direkt – sowohl wirtschaftlich als auch sicherheitspolitisch.
Die Huthi haben in der Vergangenheit wiederholt erklärt, Israel als Feind zu betrachten und Schiffe, die mit Israel in Verbindung stehen, gezielt anzugreifen. Ihre Flagge haben sie mit dem Slogan:
„Allah ist groß, Tod den USA, Tod Israel, verflucht seien die Juden, Sieg dem Islam“
(s. Abb.) versehen. Mit der Kontrolle über Bab el-Mandeb und den umliegenden Inseln verfügen sie nun über eine noch bessere geostrategische Position, um solche Angriffe zu koordinieren oder den Zugang zum Roten Meer für israelische Schiffe weiter zu erschweren.
Die Entwicklung erhöht das Risiko einer weiteren regionalen Eskalation, an der Israel direkt oder indirekt beteiligt sein könnte:
• Iranischer Einfluss: Die Huthi gelten als Teil des iranischen „Achsen"-Netzwerks, zu dem auch Hisbollah im Libanon und Milizen im Irak und Syrien gehören. Eine Stärkung dieser Achse am Roten Meer bedeutet mehr Druck auf Israel von mehreren Seiten.
• Militärische Reaktion: Sollte die Bedrohung für die Schifffahrt oder für israelische Interessen weiter zunehmen, könnte Israel – möglicherweise koordiniert mit den USA oder anderen Golfstaaten – zu militärischen Gegenmaßnahmen gezwungen sein, etwa Luftangriffen auf Huthi-Stellungen oder Infrastruktur.
• Sicherheitslage im Süden: Eine Destabilisierung des Roten Meeres könnte auch die Sicherheitslage im südlichen Israel und am Golf von Akaba beeinflussen, etwa durch verstärkten Schmuggel, Raketenangriffe oder Versuche, die Grenze zu Jordanien oder Ägypten zu destabilisieren.
Wirtschaftliche Folgen für Israel
Israel ist stark in den globalen Handel eingebunden und importiert einen Großteil seiner Energie sowie vieler Güter über See. Höhere Ölpreise, längere Transportwege und steigende Versicherungskosten wirken sich direkt auf die israelische Wirtschaft aus – von den Treibstoffpreisen bis zu den Importkosten für Lebensmittel und Industriegüter.
Zudem könnte eine anhaltende Krise im Roten Meer Investoren verunsichern und die Risikoaufschläge für Israel erhöhen, insbesondere wenn die Sicherheitslage im weiteren Nahen Osten weiter kippt.

