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Verschwörungsmythen statt Fakten: Wenn Kritik in Antisemitismus abgleitet

Ein Beitrag des Schauspielers Javier Bardem verbreitet unbelegte Erzählungen über Israel – unsere Einordnung.

Der spanische Schauspieler Javier Bardem teilte in sozialen Medien Beiträge, die behaupten, Israel und rechtsextreme Gruppen im Westen profitierten von den Spannungen zwischen Spanien und Marokko um die Enklave Ceuta.

In einem der Beiträge hieß es, unklar sei, wer die Krise an der Grenze zwischen Marokko und der nordafrikanischen Enklave „inszeniert“ habe; klar sei jedoch, dass Israel und die westliche extreme Rechte von „einem geschwächten, destabilisierten Spanien“ profitierten.

Der Beitrag wies die Darstellung der Lage als „Invasion“ Europas zurück und bezeichnete Spanien als „Europas lauteste Stimme gegen israelische und US-amerikanische Kriegsverbrechen in Palästina, im Libanon und im Iran“.

Zudem wurde behauptet, Yair Netanjahu, Sohn des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, habe Araber und Muslime öffentlich dazu aufgerufen, Ceuta und Melilla zu „befreien“. Außerdem habe er gedroht, Organisationen zu finanzieren, die solche Bestrebungen unterstützen – als Vergeltung für Spaniens Haltung zugunsten Palästinas.

„Wir wissen nicht, wer diese Krise inszeniert hat. Aber wir wissen, wer von einem geschwächten, destabilisierten Spanien profitiert: Israel und die westliche extreme Rechte, die Migration als Waffe gegen Muslime einsetzen will“, hieß es in dem Beitrag.

Weiter hieß es, die aktuelle Lage müsse im Kontext eines „Bündnisses zwischen (US-Präsident Donald) Trump, Netanjahu und Marokko“ gesehen werden.

„Marokko ist ein strategischer Verbündeter des zionistischen Projekts in der Region und nutzt die Grenze als politisches Druckmittel“, hieß es darin.

Spanien zählt unter den westlichen Ländern zu den deutlichsten Unterstützern Palästinas und Kritikern des anhaltenden Völkermords durch Israel; Madrid erkannte den Staat Palästina im Mai 2024 an.

Wir meinen:

Dass Prominente wie Javier Bardem ihre Reichweite nutzen, um politische Positionen zu beziehen, ist nichts Neues. Wenn dabei jedoch abstruse Verschwörungstheorien verbreitet werden, die komplexe geopolitische Krisen – wie die Spannungen an der Grenze zu Ceuta – zu einem verdeckten Strippenziehen Israels erklären, ist eine Grenze überschritten.

Wer ohne jegliche Evidenz Raunereien verbreitet wie „Wir wissen nicht, wer diese Krise inszeniert hat, aber wir wissen, wer davon profitiert…“, bedient eines der ältesten und gefährlichsten Antisemiten-Muster der Geschichte: das Narrativ vom geheimen, allmächtigen Akteur im Hintergrund, der globale Krisen, Migration und politische Gefüge nach Belieben manipuliert, um fremde Staaten zu destabilisieren.

Ergänzt wird diese Täter-Opfer-Umkehr durch den bewussten Einsatz entmenschlichender und delegitimierender Begrifflichkeiten. Den Staat Israel pauschal als „zionistisches Gebilde“ zu bezeichnen, ist kein Beitrag zu einer sachlichen Debatte über die Nahost-Politik oder völkerrechtliche Fragen. Es ist der gezielte Versuch, einem souveränen Staat sein Existenzrecht semantisch abzusprechen – eine Rhetorik, die zu Recht von deutschen Verfassungsschutzbehörden als antisemitisch und delegitimierend eingestuft wird.

Kritik an der Politik einer Regierung ist in einer freien Demokratie legitim – das gilt selbstverständlich auch für die israelische Regierung. Doch wer geografisch und historisch tief verwurzelte Grenzkonflikte in Nordafrika instrumentalisiert, um ein Phantombild jüdischer bzw. israelischer Weltverschwörung zu zeichnen, übt keine Kritik mehr. Er bedient Ressentiments und schürt Hass.

Solche Beiträge verharmlosen reale Konflikte, schüren Vorurteile und tragen zur weiteren Polarisierung bei. Es gilt, diesen Narrativen entschieden, laut und unmissverständlich entgegenzutreten: Verschwörungsmythen und die Delegitimierung Israels haben in einer verständigen politischen Debatte keinen Platz. Den Jahrhunderte lang in Spanien verwurzelten Antisemitismus hat diese Nation bis heute nicht überwunden.

Quelle: Israel zwischen den Zeilen

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